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Chronotherapie: Die Wissenschaft der Abstimmung von Medikamenten auf unsere innere Uhr

Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) berichten häufig von stärkeren Symptomen am Morgen. Ärzte gehen mittlerweile davon aus, dass dies nicht einfach nur auf eine nächtliche Versteifung der Gelenke durch mangelnde Bewegung zurückzuführen ist.

2014

Patienten mit rheumatoider Arthritis stellen häufig fest, dass ihre Symptome morgens stärker sind. Ärzte gehen mittlerweile davon aus, dass dies nicht einfach nur daran liegt, dass die Gelenke über Nacht durch mangelnde Bewegung versteifen.

Rheumatoide Arthritis wird durch Zellen des Immunsystems, wie beispielsweise Lymphozyten, ausgelöst. Jede dieser Zellen besitzt ihre eigene innere Uhr, und ihre Entzündungsreaktion variiert je nach Tageszeit. Selbst wenn wir sie aus dem Körper entnehmen und in einer Petrischale betrachten, behalten sie ihren Tag-Nacht-Rhythmus bei.
David Ray, Professor für Medizin an der Universität Manchester.

Es ist außerdem bekannt, dass die Hormonproduktion im Laufe des Tages Schwankungen unterliegt (dies wird als tageszeitliche Variation bezeichnet).

Einige der medikamentösen Therapien zur Behandlung von rheumatoider Arthritis sind sehr stark und können Nebenwirkungen haben. 

Die Prozesse, die die Krankheit antreiben, sind nur einen Teil des 24-Stunden-Zyklus aktiv – wenn wir also unser wirksames Medikament zum richtigen Zeitpunkt verabreichen, können wir vermeiden, dass die Patienten den ganzen Tag über toxischen Medikamenten ausgesetzt sind.
Professor Ray

In einer Studie an der Universität Manchester wird der optimale Zeitpunkt für die Medikamentenverabreichung untersucht. So sollen die Medikamente das Immunsystem nur dann dämpfen, wenn es nötig ist.

Obwohl das Konzept, medizinische Behandlungen auf unseren natürlichen Rhythmus abzustimmen, noch ungewöhnlich ist, gewinnt es bei immer mehr Ärzten an Bedeutung, da diese die Wichtigkeit unserer inneren Uhr erkennen.

In der medikamentösen Therapie gibt es bereits einige Beispiele dafür. Die verzögerte Freisetzung bestimmter nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) ermöglicht eine bessere Linderung der Morgensteifigkeit. Kürzlich wurde ein Prednisolon-Präparat mit verzögerter Wirkstofffreisetzung (Lodotra) entwickelt, das seine maximale Wirkung in den frühen Morgenstunden entfaltet, wenn die körpereigene Cortisonproduktion am niedrigsten ist. Eine niedrigere Dosis dieses Prednisolons war wirksamer und hatte weniger Nebenwirkungen als herkömmliche, morgens eingenommene Prednisolon-Dosen.